Montag, 26. Dezember 2016
09 The Clash “Police And Thieves”
krawallek, 13:38h
Dienstag
Pete sitzt bei mir im Büro. Frühstück. Meine Handy zeigt eine neue Nachricht an. DreiElf ist der Absender. Der Text ist kurz.
„Die WAZ ist schon da.“
In der Anlage ein Foto. Ich kann nicht glauben, was ich da sehe. und schiebe das Ding zu Pete rüber. Der guckt sparsam. Ich weiß, was er denkt. Ich denke das gleiche.
„Luz?“
Mehr sagt er nicht. Mein Blickt geht zurück zum Display.
Die Mauer neben dem Haupteingang vom Rathaus und darauf in großen Buchstaben VOD. In Rot. In Schablonenschrift. Alte Punk und New Wave Tradition.
Crass, New Model Army. Auch die Toten Hosen.
Ich leite die Nachricht an Luz weiter. Die Antwort kommt überraschend schnell. Ich lese sie Pete vor.
„Cool! Aber wer war das?“
Damit scheidet sie als Mitwisserin raus. So hätte sie nicht geschrieben, wenn sie da ihre Finger drin hätte.
Ihre Frage steht im Raum. Es ist eine gute Frage. Eine Antwort darauf wäre auch nett.
Siouxsie ruft an. Ich gehe dran.
„Waller, das mit Zeus war kein Zufall, du hast mich gelinkt.“
Ich warte erst mal ab. Die Windrichtung checken. Nach einer kurzen Pause kommt noch ein weiteres Wort..
„Danke.“
„Rufst du nur deswegen an?“
„Nein, von dem Zeichen an der Wand habt ihr schon was mitbekommen?“
„Ja, haben wir, auch dass die WAZ schon da ist. Wollen wir uns morgen mal eine Zeitung besorgen. Vielleicht haben die Schriftgelehrten ja eine hübsche Theorie dazu.“
„Bei uns im System ist etwas seltsam. Den Ordner vom Gewerkschaftshaus auf dem Server kann man nicht öffnen. Der ist gesperrt, gar nicht da oder was auch immer. Gilt auch für Leute, die auf jeden Fall immer Zugriff darauf hatten. Die Akte hängt auch nicht im Archiv. Bis jetzt macht aber noch keiner da offiziell was. Großes bürokratisches Zögern.“
„Scheiße.“
„Ja, aber es gibt auch gute Nachrichten. Im Grundbuch ist noch alles wie immer. Die Eigentumsverhältnisse sind noch wie immer. Die Hütte gehört weiter der Stadt und ist verpachtet.“
Ich danke ihr, drück auf die Gabel und wähle die Nummer von DreiElf.
Er bekommt die Infos. Er hat Administratorrechte. Er kann da auch noch mal genauer gucken.
Kurz darauf ruft er schon zurück. Der Ordner ist leer . Alle Dateien sind verschoben worden. Wohin auch immer. Ins Nirwana oder zumindest in die Nähe davon. Auf jeden Fall sind sie weg. Der letzte Zugriff war von einem User, den es eigentlich nicht gibt. Den hat jemand extra dafür angelegt und danach wieder gelöscht. Das kann nur einer der Admins gemacht haben. Viele davon gibt es nicht. DreiElf bleibt da ganz nah am Ball.
Mein Rechner zeigt eine neue E-Mail an. Absender ist vod-vod@hotmail.com.
Ich gebe Pete an Zeichen. Er kommt rum. Ich möchte die Mail nicht alleine öffnen. Er wirft einen Blick auf den Bildschirm.
„Shit, was ist das denn?
Schulterzucken. Ich habe eine Ahnung.
Hotmail. Da kann sich jeder einen Account erstellen. Und meine Adresse hier setzt sich aus VornameDotNachname zusammen. Wie bei jedem anderen bei der Stadt auch. Da muss man kein Genie sein, wenn man mir schreiben will.
Doppelklick. Die Mail öffnet sich . Kein wirklicher Text. Nur ein Link zu einem Blog im Netz. Ich schiebe den Mauszeiger auf den Link. Wir sehen uns an. Pete dreht die Augen gen Himmel.
„Egal. Mach einfach!“
Und ich mache. Der Browser öffnet sich und die Seite baut sich auf.
Ich bin sprachlos und sage daher rein gar nichts. Von Pete kommt auch nicht mehr. Wir lassen die Sache auf uns wirken. Und Wirkung gibt es da reichlich.
Roter Hintergrund. Oben drüber steht ganz groß VOD. In Schwarz. In Schablonenschrift. Darunter ein Bild von einem Mann mit Mütze. Wie ein Scherenschnitt. In Schwarz.
Mir läuft es kalt den Rücken hinunter. Da weiß jemand zu viel. Ich kenne das Bild. Es ist das Cover von einem Buch. Dort ist der Mann aber zu erkennen. Ich habe dieses Buch mehrmals gelesen.
Kopfschütteln. Ich kann das alles gerade gar nicht glauben. Pete stößt mich an.
„Was ist?“
Mein Finger zeigt auf das Bild.
„Durruti.“
„Was?“
In einem neuen Tab öffne ich die Amazonseite, suche kurz und finde schnell. Auf dem Bildschirm erscheint ein Buch. „Durruti“ von Abel Paez. Pete sieht das Cover und weiß Bescheid.
„Shit.“
Zurück zu dem Blog. Es gibt bisher nur einen Eintrag von heute. Ich rufe ihn auf. Etwa zehn Bilder. Sonst nichts. Kein Text. Ist aber auch nicht nötig. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und hier gibt es deutlich mehr als nur ein Bild. Also auch mehr als nur einmal tausend Worte.
Auf den Fotos sieht man unser Rathaus. Und zwei Gestalten mit Pappschablonen und einer Sprühdose. Wir sehen, wie der Schriftzug VOD entsteht.
Die Gestalten tragen Schwarze Overalls, Chucks, Wollmützen, Tücher vorm Gesicht und Sonnenbrillen. Absolut nicht identifizierbar. Könnte jeder sein. Frau, Mann, jung, alt.
Unsere Blicke treffen sich. Was ist hier los?
„Waller, lösch die Mail. Oder?“
„Ja, gleich.“
Waller denkt. Nicht schnell, aber im Moment zumindest einigermaßen sorgfältig.
„Wir brauchen alle auch Hotmail-Adressen. Besser ist das. Sicher ist sicher.“
Für Pete und mich legen wir sofort welche an. Pete beginnt zu telefonieren und gibt unsere neuen Adressen durch. Sie sollen uns darüber kontaktieren, sobald sie ebenfalls eine haben. Die Mail mit dem Link leite ich an unsere neuen Adressen weiter.
Ich will das Original gerade löschen, da habe ich eine Idee. Antworten. Ohne Text. Lange müssen wir uns danach nicht gedulden.
Wenn du hier was posten willst, schreib es uns einfach. Wir platzieren die Seite gerade so im Netz, dass sie für jeden schnell zu finden ist.
Wer ist denn da am Werk? Hackende Sprayer? Sprayende Hacker?
Im Hotmail-Postfach tut sich auch was. Wir schicken die Mail mit dem Link weiter. Wir löschen an meinem Rechner die Spuren unserer Aktivitäten so gut wir können. Danach ein Anruf bei DreiElf, damit er guckt, ob noch was übrig ist.
Zuhause hat Luz den Blog auf dem Laptop geöffnet. Sie sieht mich fragend an, als ich rein komme.
Ein Kuss und noch ein Kuss. Weil ich es darf. Weil nur ich es darf.
„Keine Ahnung. Und davon reichlich.“
Sie schiebt eine Killing Joke CD in den Player. „Pandemonium“. Keine leichte Kost, da gibt es was auf die Lauschlappen. Bläst dafür den Kopf frei.
Es schellt. Wir erwarten niemanden. Luz geht zur Tür. Ich kann Stimmen hören, aber die Worte nicht verstehen. Luz steckt den Kopf durch die Tür.
„Die Sheriffs sind da. Die wollen zu dir.“
Ich schließe noch schnell den Browser. Vielleicht wollen die ja gar rein kommen. Wir gehen zusammen zurück zur Tür.
Da stehen die beiden. Der eine ist in meinem Alter und kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Der andere ist jünger und versucht gefährlich zu wirken.
„Ah hallo, die exekutive Gewalt ist da.“
Ich hatte in der Schule Politik. Ich kenne das Prinzip der Gewaltenteilung. Ich hatte den besten Lehrer. Er ist jetzt OB.
Der junge Sheriff guckt jetzt eher verwirrt. Vielleicht war Schule nicht so sein Ding. Der andere schließt kurz die Augen und versucht sich zu konzentrieren.
„Sind Sie Michael Krawallek?
„Ja, der bin ich.“
„Können Sie sich ausweisen?“
Ich verdrehe die Augen und krame meinen Ausweis aus der Brieftasche. Dann halte ich ihm das Ding absichtlich falsch herum hin.
„Thorsten, du erinnerst dich zumindest dunkel, dass wir zusammen Abi gemacht haben?“
Der jüngere Sheriff guckt seinen Kollegen von der Seite an. Offenkundig teilt Thorsten nur Teile seines Wissens. Und wirklich helle war und ist er auch nicht. Da bleibt für den Nachwuchs nicht so viel.
„Ja sicher, pack schon weg. Wir haben ein paar Fragen. Können wir rein kommen?“
Luz verzieht sich ins Wohnzimmer. Clever. Sie haben nur nach mir gefragt. Die beiden führe ich in die Küche. Wir verteilen uns mehr oder weniger gleichmäßig um den Tisch.
„Weißt du was über den Einbruch bei Seelmanns?“
„Das, was ich im Radio gehört habe.“
„Und darüber hinaus?“
„Nichts.“
So richtig wissen die nicht, was die hier sollen. Ihr Vorrat an vorbereiteten Fragen scheint eher gering.
„Sagt dir VOD was?“
„Video on Demand.“
„Und sonst. In Bezug auf die beiden Graffitis bei Seelmann und am Rathaus?“
„Gar nichts.“
Die beiden wechseln Blicke. Ihr Vorrat an vorbereiteten Fragen scheint erschöpft. Immerhin waren es drei.
„Ja, das war es eigentlich auch schon.“
Die zwei Helden stehen auf und verlassen die Küche. Thorsten hat sein Notizbuch liegen lassen. Mit Absicht, deshalb sage ich nichts, aber ich stecke es unbemerkt ein.
Sie gehen die Treppe runter. Ich bleibe an der Tür. Thorsten kommt wieder hoch. Ich halte ihm sein Buch hin.
„Keine Ahnung, warum wir zu dir mussten. Es liegt nichts gegen dich vor. Der OB hat dich bei unserem Chef angekackt und gemeint, du könntest was wissen. Also mussten wir reagieren. So rein politisch. Hast du dem auf den Schlips getreten?“
Ein paar wage Gesten. Wir verabschieden uns. Besser nicht auf Wiedersehen. Lebe wohl wäre mir deutlich lieber.
Ins Wohnzimmer zu Luz. Eine neue CD. Siglo XX „Flowers For The Rebels“. Lange nicht gehört, gar nicht mal übel.
Sie lächelt mir verschwörerisch zu. Wir lassen den Abend ausklingen.
Morgen ist Mittwoch. Also sind wir alle im „Mercy Seat“.Wie jeden Mittwoch seit vielen Jahren.
Und so soll es auch bleiben.
***
Am Freitag geht es weiter.
Pete sitzt bei mir im Büro. Frühstück. Meine Handy zeigt eine neue Nachricht an. DreiElf ist der Absender. Der Text ist kurz.
„Die WAZ ist schon da.“
In der Anlage ein Foto. Ich kann nicht glauben, was ich da sehe. und schiebe das Ding zu Pete rüber. Der guckt sparsam. Ich weiß, was er denkt. Ich denke das gleiche.
„Luz?“
Mehr sagt er nicht. Mein Blickt geht zurück zum Display.
Die Mauer neben dem Haupteingang vom Rathaus und darauf in großen Buchstaben VOD. In Rot. In Schablonenschrift. Alte Punk und New Wave Tradition.
Crass, New Model Army. Auch die Toten Hosen.
Ich leite die Nachricht an Luz weiter. Die Antwort kommt überraschend schnell. Ich lese sie Pete vor.
„Cool! Aber wer war das?“
Damit scheidet sie als Mitwisserin raus. So hätte sie nicht geschrieben, wenn sie da ihre Finger drin hätte.
Ihre Frage steht im Raum. Es ist eine gute Frage. Eine Antwort darauf wäre auch nett.
Siouxsie ruft an. Ich gehe dran.
„Waller, das mit Zeus war kein Zufall, du hast mich gelinkt.“
Ich warte erst mal ab. Die Windrichtung checken. Nach einer kurzen Pause kommt noch ein weiteres Wort..
„Danke.“
„Rufst du nur deswegen an?“
„Nein, von dem Zeichen an der Wand habt ihr schon was mitbekommen?“
„Ja, haben wir, auch dass die WAZ schon da ist. Wollen wir uns morgen mal eine Zeitung besorgen. Vielleicht haben die Schriftgelehrten ja eine hübsche Theorie dazu.“
„Bei uns im System ist etwas seltsam. Den Ordner vom Gewerkschaftshaus auf dem Server kann man nicht öffnen. Der ist gesperrt, gar nicht da oder was auch immer. Gilt auch für Leute, die auf jeden Fall immer Zugriff darauf hatten. Die Akte hängt auch nicht im Archiv. Bis jetzt macht aber noch keiner da offiziell was. Großes bürokratisches Zögern.“
„Scheiße.“
„Ja, aber es gibt auch gute Nachrichten. Im Grundbuch ist noch alles wie immer. Die Eigentumsverhältnisse sind noch wie immer. Die Hütte gehört weiter der Stadt und ist verpachtet.“
Ich danke ihr, drück auf die Gabel und wähle die Nummer von DreiElf.
Er bekommt die Infos. Er hat Administratorrechte. Er kann da auch noch mal genauer gucken.
Kurz darauf ruft er schon zurück. Der Ordner ist leer . Alle Dateien sind verschoben worden. Wohin auch immer. Ins Nirwana oder zumindest in die Nähe davon. Auf jeden Fall sind sie weg. Der letzte Zugriff war von einem User, den es eigentlich nicht gibt. Den hat jemand extra dafür angelegt und danach wieder gelöscht. Das kann nur einer der Admins gemacht haben. Viele davon gibt es nicht. DreiElf bleibt da ganz nah am Ball.
Mein Rechner zeigt eine neue E-Mail an. Absender ist vod-vod@hotmail.com.
Ich gebe Pete an Zeichen. Er kommt rum. Ich möchte die Mail nicht alleine öffnen. Er wirft einen Blick auf den Bildschirm.
„Shit, was ist das denn?
Schulterzucken. Ich habe eine Ahnung.
Hotmail. Da kann sich jeder einen Account erstellen. Und meine Adresse hier setzt sich aus VornameDotNachname zusammen. Wie bei jedem anderen bei der Stadt auch. Da muss man kein Genie sein, wenn man mir schreiben will.
Doppelklick. Die Mail öffnet sich . Kein wirklicher Text. Nur ein Link zu einem Blog im Netz. Ich schiebe den Mauszeiger auf den Link. Wir sehen uns an. Pete dreht die Augen gen Himmel.
„Egal. Mach einfach!“
Und ich mache. Der Browser öffnet sich und die Seite baut sich auf.
Ich bin sprachlos und sage daher rein gar nichts. Von Pete kommt auch nicht mehr. Wir lassen die Sache auf uns wirken. Und Wirkung gibt es da reichlich.
Roter Hintergrund. Oben drüber steht ganz groß VOD. In Schwarz. In Schablonenschrift. Darunter ein Bild von einem Mann mit Mütze. Wie ein Scherenschnitt. In Schwarz.
Mir läuft es kalt den Rücken hinunter. Da weiß jemand zu viel. Ich kenne das Bild. Es ist das Cover von einem Buch. Dort ist der Mann aber zu erkennen. Ich habe dieses Buch mehrmals gelesen.
Kopfschütteln. Ich kann das alles gerade gar nicht glauben. Pete stößt mich an.
„Was ist?“
Mein Finger zeigt auf das Bild.
„Durruti.“
„Was?“
In einem neuen Tab öffne ich die Amazonseite, suche kurz und finde schnell. Auf dem Bildschirm erscheint ein Buch. „Durruti“ von Abel Paez. Pete sieht das Cover und weiß Bescheid.
„Shit.“
Zurück zu dem Blog. Es gibt bisher nur einen Eintrag von heute. Ich rufe ihn auf. Etwa zehn Bilder. Sonst nichts. Kein Text. Ist aber auch nicht nötig. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und hier gibt es deutlich mehr als nur ein Bild. Also auch mehr als nur einmal tausend Worte.
Auf den Fotos sieht man unser Rathaus. Und zwei Gestalten mit Pappschablonen und einer Sprühdose. Wir sehen, wie der Schriftzug VOD entsteht.
Die Gestalten tragen Schwarze Overalls, Chucks, Wollmützen, Tücher vorm Gesicht und Sonnenbrillen. Absolut nicht identifizierbar. Könnte jeder sein. Frau, Mann, jung, alt.
Unsere Blicke treffen sich. Was ist hier los?
„Waller, lösch die Mail. Oder?“
„Ja, gleich.“
Waller denkt. Nicht schnell, aber im Moment zumindest einigermaßen sorgfältig.
„Wir brauchen alle auch Hotmail-Adressen. Besser ist das. Sicher ist sicher.“
Für Pete und mich legen wir sofort welche an. Pete beginnt zu telefonieren und gibt unsere neuen Adressen durch. Sie sollen uns darüber kontaktieren, sobald sie ebenfalls eine haben. Die Mail mit dem Link leite ich an unsere neuen Adressen weiter.
Ich will das Original gerade löschen, da habe ich eine Idee. Antworten. Ohne Text. Lange müssen wir uns danach nicht gedulden.
Wenn du hier was posten willst, schreib es uns einfach. Wir platzieren die Seite gerade so im Netz, dass sie für jeden schnell zu finden ist.
Wer ist denn da am Werk? Hackende Sprayer? Sprayende Hacker?
Im Hotmail-Postfach tut sich auch was. Wir schicken die Mail mit dem Link weiter. Wir löschen an meinem Rechner die Spuren unserer Aktivitäten so gut wir können. Danach ein Anruf bei DreiElf, damit er guckt, ob noch was übrig ist.
Zuhause hat Luz den Blog auf dem Laptop geöffnet. Sie sieht mich fragend an, als ich rein komme.
Ein Kuss und noch ein Kuss. Weil ich es darf. Weil nur ich es darf.
„Keine Ahnung. Und davon reichlich.“
Sie schiebt eine Killing Joke CD in den Player. „Pandemonium“. Keine leichte Kost, da gibt es was auf die Lauschlappen. Bläst dafür den Kopf frei.
Es schellt. Wir erwarten niemanden. Luz geht zur Tür. Ich kann Stimmen hören, aber die Worte nicht verstehen. Luz steckt den Kopf durch die Tür.
„Die Sheriffs sind da. Die wollen zu dir.“
Ich schließe noch schnell den Browser. Vielleicht wollen die ja gar rein kommen. Wir gehen zusammen zurück zur Tür.
Da stehen die beiden. Der eine ist in meinem Alter und kann sich das Grinsen nicht verkneifen. Der andere ist jünger und versucht gefährlich zu wirken.
„Ah hallo, die exekutive Gewalt ist da.“
Ich hatte in der Schule Politik. Ich kenne das Prinzip der Gewaltenteilung. Ich hatte den besten Lehrer. Er ist jetzt OB.
Der junge Sheriff guckt jetzt eher verwirrt. Vielleicht war Schule nicht so sein Ding. Der andere schließt kurz die Augen und versucht sich zu konzentrieren.
„Sind Sie Michael Krawallek?
„Ja, der bin ich.“
„Können Sie sich ausweisen?“
Ich verdrehe die Augen und krame meinen Ausweis aus der Brieftasche. Dann halte ich ihm das Ding absichtlich falsch herum hin.
„Thorsten, du erinnerst dich zumindest dunkel, dass wir zusammen Abi gemacht haben?“
Der jüngere Sheriff guckt seinen Kollegen von der Seite an. Offenkundig teilt Thorsten nur Teile seines Wissens. Und wirklich helle war und ist er auch nicht. Da bleibt für den Nachwuchs nicht so viel.
„Ja sicher, pack schon weg. Wir haben ein paar Fragen. Können wir rein kommen?“
Luz verzieht sich ins Wohnzimmer. Clever. Sie haben nur nach mir gefragt. Die beiden führe ich in die Küche. Wir verteilen uns mehr oder weniger gleichmäßig um den Tisch.
„Weißt du was über den Einbruch bei Seelmanns?“
„Das, was ich im Radio gehört habe.“
„Und darüber hinaus?“
„Nichts.“
So richtig wissen die nicht, was die hier sollen. Ihr Vorrat an vorbereiteten Fragen scheint eher gering.
„Sagt dir VOD was?“
„Video on Demand.“
„Und sonst. In Bezug auf die beiden Graffitis bei Seelmann und am Rathaus?“
„Gar nichts.“
Die beiden wechseln Blicke. Ihr Vorrat an vorbereiteten Fragen scheint erschöpft. Immerhin waren es drei.
„Ja, das war es eigentlich auch schon.“
Die zwei Helden stehen auf und verlassen die Küche. Thorsten hat sein Notizbuch liegen lassen. Mit Absicht, deshalb sage ich nichts, aber ich stecke es unbemerkt ein.
Sie gehen die Treppe runter. Ich bleibe an der Tür. Thorsten kommt wieder hoch. Ich halte ihm sein Buch hin.
„Keine Ahnung, warum wir zu dir mussten. Es liegt nichts gegen dich vor. Der OB hat dich bei unserem Chef angekackt und gemeint, du könntest was wissen. Also mussten wir reagieren. So rein politisch. Hast du dem auf den Schlips getreten?“
Ein paar wage Gesten. Wir verabschieden uns. Besser nicht auf Wiedersehen. Lebe wohl wäre mir deutlich lieber.
Ins Wohnzimmer zu Luz. Eine neue CD. Siglo XX „Flowers For The Rebels“. Lange nicht gehört, gar nicht mal übel.
Sie lächelt mir verschwörerisch zu. Wir lassen den Abend ausklingen.
Morgen ist Mittwoch. Also sind wir alle im „Mercy Seat“.Wie jeden Mittwoch seit vielen Jahren.
Und so soll es auch bleiben.
***
Am Freitag geht es weiter.
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